Wie bereitet ein Studium der Geisteswissenschaften auf das Erwerbsleben vor?

#ALT
Michèle Binswanger zu den Geisteswissenschaften

Im öffentlichen Diskurs rund um Bildungswege, Fachkräfte und Arbeitsmarktorientierung werden oft Massnahmen gefordert, um die Ausbildung «besser» auf den Arbeitsmarkt abzustimmen. Dabei wird gern vergessen, dass sich der Arbeitsmarkt relativ schnell verändert und es schwierig ist, mit Gewissheit vorauszusagen, welche Ausbildungen die Nachfrage mittelfristig abdecken werden. (Auch rund 50% der ehemaligen Lehrabgängerinnen und -abgänger wechseln ihren Beruf (Panorama 2/2015, Kompetenzen passen zu beruflichen Anforderungen). Wichtig ist dabei die Bereitschaft und die Fähigkeit, immer wieder Neues zu lernen. Das gibt den Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Chancen:​

«Literature is unbelievably helpful, because no matter what business you are in, you are dealing with interpersonal relationships. It gives you an appreciation of what makes people tick»

Michael Eisner, former Walt Disney Company CEO, English Literature and Theater

  • Ihre vertieften Kenntnisse von Kulturtechniken – Darstellen, Argumentieren, Präsentieren – werden überall und jederzeit gebraucht.
  • Ihre Sprachkenntnisse, ihr generalisiertes Wissen und ihre allgemeinen Kompetenzen entwerten sich weniger rasch als bestimmte Fertigkeiten und anwendungsorientiertes Verfügungswissen.
  • Ihr Wissen über die eigene und fremde Kulturen gewinnt in einer zunehmend globalisierten Welt an Bedeutung in Wirtschaft, Medien und Politik.
  • Ihre Art von Wissen ist nützlich in einer Welt, in der nicht so sehr Produkte, sondern vielmehr Geschichten, Lebensstile, Gefühle und Einstellungen verkauft werden.
  • Ein von den Geisteswissenschaften vermitteltes vertieftes Verständnis des Menschen in all seinen Facetten hilft ihnen, Mitmenschen zu führen, anzuleiten, zu motivieren und weiterzubilden.
  • Die in direkter menschlicher Interaktion erbrachte Arbeit kann weder automatisiert noch ausgelagert werden.
  • Sie haben in ihrem Studium gelernt, die im Überfluss vorhandenen Informationen zu sichten und zu gewichten.
  • Sie können zur Lösung der grossen Herausforderungen beitragen, weil sie sich mit Fragen nach dem Wünschbaren und dem Erstrebenswerten beschäftigt haben.
  • Durch ihr Wissen darüber, was Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund interessiert, motiviert, erfreut oder stört, können sie zu einer geordneten gesellschaftlichen Transformation beitragen.

Eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte im Auftrag von «ECO» (SRF, 1.12.2015) hat aufgezeigt, dass in der Schweiz 48 Prozent der Beschäftigten in den kommenden beiden Jahrzehnten durch Automatisierung ersetzt werden könnten. Auch Hochqualifizierte sind betroffen.

Dies dürfte jedoch kaum die Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler betreffen.